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MS Midtown Madness

01:40:00 Ich sitze in meinem Ford Mustang GT irgendwo in Chicago und erwarte mit durchgedrücktem Gaspedal den Start. Endlich geht es los. Die erste Kurve nehme ich noch relativ locker, es geht auf eine zweispurige Straße, auf der man richtig Gas geben könnte, wären da nicht überall diese Sonntagsfahrer, die alle festgeklebt scheinen und keinerlei Anstalten machen auszuweichen.
01:23:76 Ich passiere, nachdem ich mich durch die Warteschlangen vor einer roten Ampel gedrängelt habe, den ersten Checkpoint und heize weiter die Straße runter.
01:10:50 Nach zwei weiteren roten Ampeln, an denen ich natürlich nicht angehalten habe, passe ich an der dritten nicht genau auf und rase ungebremst in zwei stehende Taxen. Egal, schnell den Rückwärtsgang rein und links vorbei.
00:58:81 Nach einer scharfen Linkskurve und nachdem mich fast ein Reisebus gerammt hätte, überquere ich den Illinois River und passiere Checkpoint Nummer zwei.
00:50:54 In einer weiteren Linkskurve verliere ich kurzfristig die Kontrolle über das Fahrzeug und fahre auf den Bürgersteig. Fußgänger springen zur Seite, Laternenpfähle knicken weg, Zeitungskästen fliegen durch die Gegend. Endlich bin ich wieder auf der Straße und mit einem Lächeln betrachte ich das Chaos im Rückspiegel, vor mir die nächste rote Ampel.
00:38:32 Wohlwissend, daß der dritte Checkpoint hinter der nächsten Ecke wartet, nehme ich eine weitere Linkskurve, jetzt kann ich ihn sehen. Dahinter klappt eine Brücke hoch... Mist!! Einen Moment nicht aufgepasst, die Kurve etwas zu eng gefahren und schon hänge ich in einer Seitengasse fest. Es kostet mich fünf wertvolle Sekunden, um mich zu befreien, um dann endlich den Checkpoint zu erreichen und nach einem U-Turn die Straße wieder hinunterzufahren.
00:18:92 Schwarzer Rauch quillt aus meinem inzwischen stark verbeulten Wagen, auf dem Armaturenbrett blinkt das rote Warnlämpchen. Noch ein Crash und ich kann Wagen und Rennen vergessen. Ich schneide zwei weitere Kurven und rase in Richtung Ziel.
00:10:75 Ein Kleinlaster kommt aus einer Querstraße und nimmt mich frontal mit. Mein Wagen fliegt zwei Meter hoch in die Luft, verliert zwei Räder und landet unsanft wieder auf der Straße. Das ist das Aus! - Egal, ich starte das Rennen zum x-ten Mal neu und begebe mich abermals mit Bleifuß durch Chicago.

So oder so ähnlich sieht der ganz alltägliche Wahnsinn bei Microsofts Midtown Madness aus. Midtown Madness bietet im Single-Player Modus vier verschiedene Spielmodi. Eigentlich nur als Einleitung und zum näheren kennenlernen der örtlichen Gegebenheiten dient die Tour, während der man durch ein Chicago fährt, wie man es live wohl niemals erleben wird, nämlich völlig leer und ausgestorben, kein Verkehr, keine Fußgänger, keine Polizei, nur man selbst im Wagen seiner Wahl und allen Freiheiten der Welt. In den Blitzrennen fährt man durch eine normal bevölkerte Stadt gegen die Uhr eine durch Checkpoints abgesteckte Strecke ab. Es gibt zehn solcher Kurse, für Abwechslung ist also gesorgt. Die nächste Spielart bilden die Rundkursrennen: Klassische Autorennen auf einem Rundkurs durch die Innenstadt, am Anfang noch bei normalem Verkehr, später auch auf abgesperrten Strecken. Drei Runden gilt es zu bewältigen gegen sechs Gegner. Plazierungen spielen hier eigentlich nicht wirklich eine Rolle, da alle zehn Strecken von Anfang an ausgewählt werden können. Die somit wohl interessanteste Variante dürften die Kontrollpunktrennen darstellen. Hier geht es darum vor den Gegnern alle kreuz und quer in der Stadt aufgestellten Checkpoints abzuklappern und dann als erster ins Ziel zu kommen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Reihenfolge dies geschieht, auch wenn es eine vorgegebene Route gibt, die aber spätestens nach dem dritten Rennen nicht mehr die beste darstellt. Jeweils drei Rennen bilden ein Renngruppe, von denen es vier Stück gibt; um in die nächste zu gelange muß man in allen Rennen jeweils einen der ersten drei Plätze belegen. In allen Rennmodi kann man sich mindestens einen Zusatzwagen erfahren, so daß man nach gut gemachter Arbeit zehn Wagen sein eigen nennen darf.
Im Multiplayermodus kommt noch das Polizei und Gangster Spiel zu den bereits bekannten Spielmodi hinzu. Eine Gruppe bildet dabei die Polizei, die andere die Gangster. Irgendwo in der Stadt liegt ein fetter Goldbarren, den man nach dem Aufsammeln zur Bank oder ins Versteck gebracht werden muß.
Soweit so lustig, doch gibt es auch einige Kritikpunkte einzubringen. So steigt der Schwierigkeitsgrad in allen Modi allein schon im Anfängermodus (vom knallharten Profimodus, der seinem Namen alle Ehre macht) nach dem dritten Rennen selbst im Amateurrennen in schwindelerregende Höhen und die Rennen sind zum Teil erst nach mehreren Neustarts und genauester Streckenkenntnis erfolgreich zu bewältigen. Dazu trägt auch die Polizei Chicagos bei, die ab und zu ohne irgendeinen Grund die Verfolgung aufnimmt und sich seltsamerweise immer auf einen selbst, anstatt auf die Computer-Gegner, konzentriert und so manchmal wirklich zur Plage wird. Die normalen Berufsverkehrfahrer steuern ihre Wagen öfter mal auf direkten Kollisionskurs, obwohl man zwanghaft versucht ihnen auszuweichen. Dafür springen Fußgänger, egal wie sehr man auf Kollisionsskurs ist, im letzten Moment immer zur Seite. Das ist aber kein wirklicher Kritikpunkt, würden sie das nicht tun, würde das Spiel in eine Splatterorgie á la Carmageddon ausarten und das liegt vermutlich nicht im Sinne der Macher.
Alles in allem macht Midtown Madness einen Mordsspass, man steigt auch nach dem zwanzigsten Ausscheiden wieder in seinen Wagen und denkt bei sich "Diesmal schaff´ ich's aber!", nur um irgendwann wieder seinen Wagen gegen eine Wand zu setzen.

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