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56K
- Modemtechnik
Die
56k-Technologie unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen
Übertragungsmodi. Wie funktioniert sie im Detail?
 Wer
die Arbeitsweise der 56k-Betriebsart - egal ob X2 von 3Com/US Robotics
oder K56flex von Rockwell - verstehen will, muß sich vor Augen halten,
wie das öffentliche Telefonnetz überhaupt funktioniert. Der
für die Signalübertragung zwischen zwei normalen Telefonen (oder
analogen Modems) zur Verfügung stehende Kanal ist ein sogenannter
"Band-Pass"-Kanal. Das bedeutet, daß elektronische (Band-Pass-)Filter
in den Vermittlungsstellen der Telefongesellschaft nur ein bestimmtes
Frequenzband passieren lassen - im Idealfall im Bereich von 400 bis 3400
Hertz (Schwingungen pro Sekunde). Für die Übertragung der menschlichen
Sprache ist dieses Frequenzspektrum mit einer Bandbreite von 3 kHz ausreichend.
Zum Vergleich: Digitale Musik in höchster Qualität umfaßt
Frequenzen von rund 20 bis 20 000 Hertz.
Vor nunmehr über zehn Jahren waren 300- und 1200-bps-Modems üblich.
Diese übertrugen pro Schwingung 1 Bit und belegten dadurch 600 beziehungsweise
2400 Hz der zur Verfügung stehenden Bandbreite. Bereits bei der nächsten
Stufe, den 2400-bps-Modems, mußten sich die Techniker jedoch etwas
einfallen lassen, denn jetzt wären Frequenzen bis 4800 Hz notwendig
gewesen - im Telefonnetz nicht zulässig. Die Lösung war eine
Technik namens QAM (Quadratur Amplitude Modulation), die das Sinus-Signal
(Pfeifton) zwischen den beiden Modems sowohl hinsichtlich Amplitude (Lautstärke)
als auch Phase (zeitliche Basis der Schwingung) gezielt verändert
(moduliert). Jede dieser eindeutigen Kombinationen aus Amplitude und Phase
wird im Fachchinesisch "Symbol" genannt.
Die von einem QAM-Signal belegte Bandbreite entspricht der Anzahl der
Symbole pro Sekunde, zum Beispiel 2400 Hz bei 2400 Symbolen pro Sekunde.
Ein altes 9600-bps-Modem (V.32) arbeitet mit einer Trägerfrequenz
(Carrier) von 1800 Hz und 2400 Symbolen pro Sekunde bei vier Informationsbits
pro Symbol. Die hierfür benötigte Bandbreite sind 600 bis 3000
Hz - im Telefonnetz kein Problem. Diese Technik ist im Prinzip bis heute
gleichgeblieben, ein V.34-Modem beispielsweise arbeitet mit einem 1959-Hz-Carrier
und 3429 Symbolen pro Sekunde in einer Bandbreite von 244 bis 3674 Hz.
Aufgrund der heute wesentlich besseren Qualität der Telefonleitungen
steht diese erweiterte Bandbreite relativ häufig (wenn auch nicht
immer) zur Verfügung, vor zehn Jahren hätten V.34-Modems wahrscheinlich
überhaupt nicht funktioniert.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch "Shannon's Theorem",
benannt nach dem Mathematiker Claude Shannon. Bereits 1948 (!) bewies
er auf mathematischem Weg, daß aufgrund verschiedener Störeinflüsse
in Telefonleitungen nicht mehr als eine bestimmte Anzahl an Informationseinheiten
pro Sekunde überhaupt übertragen werden kann. Sein Rechenergebnis:
34 822 bps bei 3000 Hz Bandbreite und 35 dB Grundrauschen.
Analoge Telefonie auf digitalen Wegen
Die Modemhersteller
versprechen 56 000 bps bei den Geräten der neuesten Generation -
lag Shannon also doch falsch? Nein, denn er war von einer analogen Übertragung
ausgegangen, der 56k-Technologie liegt jedoch die Überlegung zugrunde,
daß bei einer Verbindung in einem modernen Telefonnetz das Gespräch
zwischen den Vermittlungsstellen der Telefongesellschaft digital übertragen
wird:
Telefon A schickt die vom Telefonmikrofon stammenden analogen Signale
an die lokale Vermittlungsstelle A, diese digitalisiert sie und schickt
sie als Zahlen zwischen 0 und 255 über ein voll digital arbeitendes
Computernetzwerk zur Ziel-Vermittlungsstelle B. Diese generiert aus den
Zahlen wieder ein analoges Signal (so funktioniert auch ein CD-Player),
das die Spule im Telefonhörer von Telefon B in Schwingung versetzt
- das gesprochene Wort kommt beim Empfänger trotz der zweifachen
Konvertierung praktisch unverändert an.
Für die Umwandlung von analog nach digital und zurück sind "A/D-D/A-Wandler"
genannte Bauelemente zuständig (amerikanisch: "codec"),
die mit einer Abtastrate von 8 kHz arbeiten (CD-Player arbeiten übrigens
mit über 40 kHz).
Verfügt
Teilnehmer A nun nicht über einen analogen Telefonanschluß,
sondern über ein ISDN-Telefon, dann verlängert sich der digitale
Übertragungsweg bis zu seinem ISDN-Apparat. Die Strecke sieht nun
so aus: ISDN-Telefon A (analog <-> digital) - Vermittlungsstelle
A (digital) - Vermittlungsstelle B (digital <-> analog) - Telefon
B (analog).
Angenommen, an Punkt A befindet sich statt eines ISDN-Telefons ein Computer
mit ISDN-Adapter. Damit dieser mit einem analogen Modem an Punkt B kommunizieren
kann, muß er 8000mal pro Sekunde Zahlenwerte zwischen 0 und 255
errechnen, die von der Vermittlungsstelle B automatisch zu einer analogen
Schwingung zusammengesetzt werden. Sendet der Computer statt dessen willkürliche
Zahlen, dann kann er zwar theoretisch 64 000 Bit pro Sekunde (8 Bit x
8000) generieren, und auch die Vermittlungsstelle B wandelt diese Zahlen
gemäß ihrer Bestimmung brav in 8000 verschiedene Spannungspegel
pro Sekunde um. Zusammengesetzt ergeben diese nun zwar kein Signal mehr,
das einen Lautsprecher noch zu einer hörbaren Tonfolge bewegen könnte;
ein 56k-Modem jedoch kann die Spannungspegel differenzieren und einzeln
wiederum als Zahlen zwischen 0 und 255 an den Computer weitergeben (der
Begriff "Modem" ist in diesem Zusammenhang übrigens nicht
mehr ganz korrekt, denn bei der 56k-Übertragung wird kein Carrier
mehr "moduliert" oder "demoduliert"). Ganz entscheidend
für die 56k-Technik ist also, daß der Sender direkt ans ISDN-Netz
angeschlossen ist - per S0-Basisanschluß oder per Primärmultiplexer
(Anlagenanschluß).
Soweit die Theorie. Warum aber arbeiten 56k-Modems nur mit 56 000 statt
64 000 bps?
Das ISDN-Entwicklungsland USA
In Deutschland
stehen zwischen zwei Vermittlungsstellen pro Verbindung 64 000 Bit pro
Sekunde nutzbare Bandbreite zur Verfügung, die angesichts der großen
Distanzen obligatorische Fehlerkorrektur wird zusätzlich mitgeführt.
Die meisten amerikanischen Leitungen sind jedoch qualitativ wesentlich
schlechter, so daß von 8 übertragenen Bits pro Sekunde generell
1 Bit als Prüfbit reserviert werden muß. Denn für mehr
Daten (Fehlerprotokoll) ist schlichtweg keine Kapazität mehr vorhanden.
Aus diesem Grund überträgt das normale amerikanische ISDN auch
nur 7 Bit x 8000 = 56 000 bps pro Kanal. Dementsprechend kann in den USA
keine noch so trickreiche Datenübertragung mehr als diese 56 000
bps über normale Fernleitungen transportieren. Wer mehr haben will
(128-kbps-ISDN), muß sich teure Spezialleitungen schalten lassen.
56k-Modems mit Einbahnstraße
Die 56k-Technik
ist jedoch nur in der Theorie so einfach wie bisher beschrieben. Das größte
Problem in der Praxis ist die Synchronisation: Wenn der Codec der Vermittlungsstelle
8000mal pro Sekunde einen von 128 (7 Bit) Spannungspegeln generiert, dann
muß sichergestellt sein, daß das 56k-Modem mit absolut exakt
dem gleichen Takt das Signal auswertet. Da die Codecs aber keine teuren
Präzisionsteile, sondern relativ billige Massenware sind, muß
sich ein 56k-Modem bei jedem Verbindungsaufbau auf den genauen Zeittakt
des ihm zugeordneten Codec in der Vermittlungsstelle einstellen (synchronisieren).
Das bedeutet wiederum, daß sich der Codec in der umgekehrten Richtung
auf das mit 56k sendende Modem synchronisieren müßte - eine
Funktion, die keine Vermittlungsstelle der Welt unterstützt (wozu
auch?). Aus diesem Grund funktioniert die 56k-Übertragung vom Modem
aus gesehen nur in Empfangsrichtung. Zum Senden muß auf das herkömmliche
analoge V.34+-Verfahren mit maximal 33 600 bps zurückgegriffen werden.
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