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© 2001


Unreal

Sie sind ein Gefangener in einem Gefangenentransport auf den Weg zur Strafkolonie, die Pritsche ist unbequem, das Essen ungenießbar und die Zeit will überhaupt nicht vorübergehen. Plötzlich fängt das Raumschiff an zu vibrieren, und sie und auch alle anderen werden gegen die Wände geschleudert. Dann wird es ihnen schwarz vor den Augen. Als sie wieder aufwachen sind alle Mitgefangenen tot und sie hat es auch schwer mitgenommen, aber glücklicherweise sind auch alle Kraftfelder ausgefallen. Sie verlassen ihre Zelle und erkunden das Raumschiff. Ein weiterer Überlebender stirbt tragischerweise auf dem elektrischen Stuhl als sie an der Apparatur herumspielen und aus Versehen die Stromzufuhr einschalten. Naja, der hatte sowieso die Todesstrafe bekommen. Glücklicherweise finden sich in den Gängen überall Verbandskästen, die helfen die Gesundheit wiederherzustellen. Überall finden sie tote Besatzungsmitglieder, die ihnen ihre Log- und Tagebücher hinterlassen haben. Ein Schott läßt sich nicht öffnen, aber durch den Schlitz hören sie Schreie und Schüsse von zwei Wächtern. Als die Tür dann doch noch aufgeht, flieht gerade das Monster, das die beiden Wächter tötete. Aber da liegt ja noch eine Waffe herum, nun ist man endlich bewaffnet und kann versuchen von dem Schiff zu fliehen und Hilfe zu suchen.
So fängt das erste Level von Unreal an und erzeugt sofort eine gruselige Atmosphäre. Epic Megagames übertrafen im Sommer ´98 alle noch so hoch gesteckten Erwartungen an das Spiel. Es heimste überall in der Presse Vorschußlorbeeren ein, und sahnte noch mehr Auszeichnungen ein als es endlich fertig war. Die Grafik, Musik und der Sound erschufen eine Atmosphäre, die nur von wenigen Spielen erreicht werden kann. Leider hatte nur ein kleiner Teil der Spieler die Möglichkeit es in der ganzen Grafikpracht zu spielen, da die Hardwareanforderungen ziemlich hoch sind. Wenn man einen leistungsfähigen Rechner hat, kann man in Unreal die beste Grafik im Genre sehen. Die Effekte der Unreal-Engine ermöglichen es die Spielwelt absoulut realistisch umzusetzen. Wasser ist je nach Art des Wasser mehr oder weniger durchsichtig, und auf dem auf Hochglanz gebrachten Marmor spiegeln sich die Lichter. Die Palette an Lichtern reicht von schwachen Leuchtkristallen über mittelalterliche Fackeln bis zu Flutlichtanlagen. Die Texturen der Wänder sind gut gemacht und erzeugen einen noch größeren räumlichen Effekt. Der Sound ist klasse gemacht, überall sind Umgebungsgeräusche, die die richtige Hardware und mindestens 4 Boxen vorausgesetzt, es möglich machen die Richtung aus der die Geräusche kamen zu orten. Die Gegner sind verdammt intelligent und suchen Schutz hinter Objekten und wachten auf den richtigen Zeitpunkt um loszuschlagen. So gut gemachte Gegner gibt es in keinem anderen Spiel.

Missionen
Die einzelnen Level von Unreal sind abwechslungsreich und überzeugend gemacht. Man kämpft unter freiem Himmel, in Minen und fliegenden Städten, verschiedenen Tempelanlagen und Raumschiffwracks. Alle dargestellten Orte sind auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Eine Kirche hat einen Friedhof nebst herumspukenden Nali-Geist um sich herum, eine Empore und einen Glockenturm, den man natürlich auch erklimmen kann. Einen Riesenturm namens "Sunspire" steht auf einem hohen Felsen in einem Lavasee und reicht fast bis zu den Wolken. Hoffentlich ist der Spieler schwindelfrei, denn den Turm muß man bis ganz nach oben besteigen, um danach mit einer Fähre zu den Wolkenstädten zu gelangen. Die Level in Unreal wirken auch nicht so steril wie anderen Spielen, denn hier ist immer was los: kleine känguruhartige Tiere weiden auf den grünen Wiesen, ihre großen Eltern schauen ihnen dabei zu, große Raubvögel kreisen in der Höhe und warten darauf, das der Spieler irgendeinem Unglück zum Opfer fällt. Und dann sind da noch die Nali, die von den schrecklichen Skaarj unterdrückt werden und in den Minen, Lagern und Raumschiffen arbeiten müssen. Wenn man sie vor den Feinden beschützt, zeigen sie einem Verstecke, in denen sie Waffen, Munition und Verbandsmaterial gehortet haben. Der Spieler muß für sie sowas wie ein Messias sein, denn sie huldigen ihn überall, wo sie ihn treffen. Die Nali scheinen zudem auch Christen zu sein, da in allen religiösen Stätten der Nali Kreuze hängen, allerdings mit zwei gekreuzten Querbalken, da die Nali vier Arme haben, und sich wahrscheinlich auch ihren Gott so vorstellen.
Die Feinde treten selten in Horden auf, was auch nicht nötig ist, da die Gegner sehr schlau und stark sind. Einige verstecken sich hinter ihren Schilden, andere rollen wie wild hin und her um den Schüssen des Spielers auszuweichen. Die Gegner überrascht man meistens auf Patrouillengängen, oder sie lauern in dunklen Ecken auf den Spieler. Den Programmieren sei dank, es liegen überall Power-Ups herum die dem Spieler helfen sollen dieses Spiel zu bestehen. Eine Taschenlampe ist in dunklen Mine mit ausgeschalteten Stromgeneratoren sehr nützlich. Einige Situationen können den Spieler in Panik versetzen, wie zum Beispiel ein langer Gang ,den der Spieler durchlaufen muß. Er legt ein paar Schalter um, um die Stromversorgung auszuschalten. Er geht zurück und hinter einer Biegung schnellt eine Barriere aus der Seite heraus. Er läuft zurück, und auch da ist der Gang versperrt und er ist gefangen. Plötzlich ein Klacken, und das Licht am Ende des Ganges geht aus, und dann noch eins und noch eins. Es wird stockfinster in dem engen Gang. Nach einigen Sekunden ängstlichen Wachtens hört man eine sich öffnende Tür und ein Schnaufen, man schmeißt eine Leuchtfackel auf den Boden und das Monster erscheint im roten Licht der Fackel. Nun gilt es das Vieh zu töten, bevor es einen tötet. Das Spiel überrascht einen immer wieder mit solchen Schockeffekten, und nach einiger Zeit vermutet man hinter allen Ecken und Kanten einen Feind, wirklich einfach für den Spieler haben es die Programmierer wirklich nicht gemacht.
Der Leveleditor liegt der Verkaufsversion netterweise bei, auch wenn er in der Verkaufversion selten lief, da man aus Versehen die falschen Funktionsbibliotheken mitgeliefert hatte. Aber mit den Updates aus dem Internet sollte es eigentlich laufen. Der Editor ist nicht einfach nur ein normaler Editor, er erlaubt es auch eigene Monster und Effekte zu programmieren, da er eine eigene Variante der Programmiersprache C mitbringt.

Technik
Unreal ist ein Windowsspiel auf DirectX-Basis, also benötigt man mindestens Windows 95/98 oder Windows NT mit Service Pack 3. Ein Pentium 166Mhz oder was vergleichbares und 32MB RAM sollten es schon sein, wenn man eine 3DFx-Beschleunigerkarte sein eigen nennt, ansonsten ein 233Mhz Prozessor oder schneller. Plattenplatz verschwendet das Spiel reichlich, 400 MB, das ist die gesamte CD, werden auf die Festplatte kopiert. Die verschiedenen Teile der Unreal-Engine benötigen aber auch diese Leistung. Die Grafikengine ist traditionell der aufwendigste Teil einer 3D-Engine. Sie muß die Positionsdaten der einzelnen Objekte berechnen, die geometrischen Figuren der Objekte erstellen, die dann mit Texturen belegen, und manchmal noch Effekte wie Explosionen, Licht oder Animationen berechnen.
Ein Bild ist am Ende gut 1MB groß, und da man keine abgehackten Bilder sehen möchte, der Aufwand 25 mal pro Sekunde wiederholt werden muß, heißt daß, daß mehrere Millionen Bytes pro Sekunde mehrmals durch die Hardware verschoben werden müssen, und das haut ganz schön rein. Der Sound benötigt auch immer mehr Rechenleistung, da auch hier immer wieder neue Effekte wie Dolby Surround, Hall, Reverb und andere Schmankerl erfunden werden.
Die Grafikengine von Unreal ist brandneu und keine aufgebohrte Version einer alten Engine wie Doom II, Sin oder Half-Life. Die Programmierer arbeiteten über 2 Jahre daran die Engine zu entwickeln. Die Akteure in dem Spiel sind wie in allen neuen Spielen Polygone (=Vielecke). Polygone sind geometrische Körper, die aus vielen kleinen einzelnen und grundlegenden Formen wie Dreiecke und Vierecke bestehen. Diese werden aneinander geklebt und bilden so den Körper, das kann man gut verstehen, wenn sich einen Fußball vorstellt, der aus vielen flachen Fünf- und Sechsecken besteht, aber richtig zusammengenäht einen annähernd runden Ball ergeben und je mehr Teilstücke man nimmt, desto runder wird er, und moderne Spielfiguren bestehen aus bis zu 30.000(!) solche Vielecke. Durch diese Darstellungsweise sind Körper richtig dreidimensional, was es erlaubt um sie herumzugehen ohne daß sich die Grafik schlagartig ändert, was bei Bitmap-Darstellung der Fall ist.
Der Sound und die Musik tragen sehr viel zu Atmosphäre bei, was an der glasklaren Ausgabe und den tollen Effekten liegt. Die Musik ist ideal auf die Level abgestimmt, wenn der Spieler dann nach mehreren Minenabschnitten ein Freiluftlevel erreicht wird eine etwas belebtere Musik abgespielt als die düsteren und bedrückten Stücke in den Minen. Die Qualität der Musik erreicht beinahe CD-Qualität.
Der Sound ist auch exzellent, die Umgebungsgeräusche passen immer zum Ort, und die Waffen klingen absolut realistisch. Die Sterero-, Quadrophonie-, und Dolby Surroundeigenschaften sind phänomenal. Wenn man mit der "Automag" einer Automatikpistole schießt, fällt die Patronenhülse auf den Boden, und man hört das Klimpern, aber wenn man sich jetzt dabei noch dreht, kann man deutlich das Klimpern auf einem anderen Lautsprecher hören, so fein unterscheidet Unreal die Position der Geräusche. Die Konsole ist schlicht und einfach, und ermöglicht es verschiedene Einstellungen zur Laufzeit zu verändern.

Multiplayer
Unreal bietet die Möglichkeit über TCP/IP im Internet oder in einem lokalen Netzwerk mit bis zu 16 Leuten zu spielen. Alles ist konfigurierbar, man kann das eigene Aussehen einstellen, die Anzahl der Mitspieler und ob Computerspieler mitspielen sollen. Als Spielarten kann man auswählen:

Deathmatch: Ein normales Deathmatchspiel, töte die anderen ohne selbst getötet zu werden. Es können alle Einzelspielerlevel benutzt werden, was nicht empfehlenswert ist, und spezielle Mehrspielerlevel. Diese reichen von riesigen mehrstöckigen Gebäuden bis zu kleinen Räumen die vielleicht nur 50 m² groß sind.
Coop: Im Coop kann man zu mehreren das gesamte Spiel durchspielen, die Gegner und Power-Ups sollten aber redlich geteilt werden.
Teamplay: Das Teamplay ist genau wie ein Deathmatch, nur das man jetzt in Mannschaften aufeinander losgeht.
KingOfTheHill: Keine Ahnung, leider; aber es scheint ein Art von Capture The Flag zu sein, wo man versucht die andere Fahne zu erobern, und zur eigenen Basis zurückzubringen.
DarkMatch: DarkMatch ist ein Deathmatch in einem stockdüsteren Level, mit einigen sehr gleißend hellen Stellen. Der Gag ist, wenn man ohne Taschenlampe unterwegs ist findet man vielleicht den Gegner nicht, macht man sie aber an muß der Gegner nur auf den hellen Punkt schießen der da rumläuft. Vielleicht sollten Soldaten mit dem Rauchen aufhören, den da hat man einen roten Punkt direkt vor dem Kopf!!!
Bugs
In Unreal gab es eigentlich kaum Bugs, bis auf den Voodoo-Rush-Bug. Auf Rechner mit Voodoo-Rush wollte das Spiel nicht mit der Karte laufen, was Millionen von Voodoo-Rush Besitzer verärgerte. Der Editor in der Verkaufsversion wollte auch einfach nicht starten, aber das war ein Fehler beim Zusammenstellen der CD, da man da aus Versehen eine alte Version der Bibliotheken beipackte, aber das fällt bei einem kostenlosen Zusatzprogramm nicht so ins Gewicht. Die Update auf die aktuelle Version 220 kann man sich im Internet herunterladen. Es empfiehlt sich diese Version herunterzuladen, da auch wenn alles funktioniert einige unauffällige Fehler behebt werden, sondern auch Treiber für andere Grafikkarten installiert werden, was das Spiel dann auf den betroffenen System schneller und schöner aussehen läßt.

Fazit
Unreal ist ein leuchtender Stern am sonst so düsteren 3D-Actionspielehimmel. Anstatt wie andere einfach eine bestehende Engine zu kaufen, hat Epic eine exzellente Engine selber geschrieben, was einiges mehr kostet, und alle anderen Programmen übertroffen. Das Resultat ist wirklich mehr als überzeugend. Vielen neuen Komponenten für den PC liegt das Spiel dabei, so daß man bei den Sachen die man für das Spiel braucht, es gleich selber dazu geschenkt bekommt. Unreal bietet zwar nichts wirklich neues, aber alle momentanen Standards bei 3D-Actionshootern wurden einfach perfekt in dem Spiel umgesetzt.

www.unreal.com

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