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Eine
Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit
die Schuhe anzieht.
Mark Twain |
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Vanity-Nummern Unbekannte
Nummern?
Was ist Vanity?
Unbekannte Nummern? Nein, Vanity-Nummern sind eigentlich genau das Gegenteil
von unbekannt. Eine Hilfe für den Verbraucher sollen sie sein, damit
dieser sich nicht mehr so viele Telefonnummern zu merken braucht bzw.
nicht mehr lange nach einer Telefonnummer suchen muss. Aber wenn man
in der Servicewüste Deutschland jemanden nach Vanity fragt, erhält man
als Antwort nur ein fragendes Gesicht. Statt kostenloser Vanity-Nummern
bekommt man überall nur überteuerte 01805-Nummern genannt, unter denen
man dann für 12 Euro-Cent pro Minute erst mal mindestens 5 Minuten in
einer Warteschleife hängt. Dabei kann man heutzutage dank der Öffnung
des Telekommunikations-Marktes Anfang 1998 schon für 2-4 Euro-Cent eine
Minute quer durch Deutschland telefonieren. Sogar ein Anruf in die USA
ist mit 3,5 Euro-Cent die Minute billiger als ein Ortsgespräch tagsüber
über die Deutsche Telekom. Aber was sind denn nun Vanity-Nummern?
Wie
funktioniert Vanity?
Eine Vanity-Nummer besteht also – wie oben dargestellt – nicht nur aus
Zahlen, sondern enthält auch Buchstaben. Natürlich stellt jeder Buchstabe
eine Zahl dar, die dann im Endeffekt gewählt wird. Um dies zu ermöglichen,
wurden den Ziffern 2 bis 9 Buchstaben zugeordnet, inzwischen der internationalen
Empfehlung E.161 Option A (05/95) der Internationalen Fernmeldeunion
(ITU = International Telecommunication Union, Genf) folgend.
[10]
Jeder Zahl sind dabei drei bis vier Buchstaben zugeordnet.
Durch den Abdruck der Buchstaben auf oder neben die Tasten der Telefone
wird die Eingabe der Buchstaben erleichtert; die Buchstaben können aber
auch durch eine Telefonschablone oder einfache Tabelle wie z.B. der
folgenden schnell in Ziffern umgewandelt werden:
Für jeden Buchstaben wird diejenige Telefontaste einmal gedrückt, auf
der der jeweilige Buchstabe zu finden ist. Die Vanity-Nummer 0800-PORSCHE
entspricht somit der Rufnummer 0800‑7677243. Andere Zeichen wie
Umlaute oder Sonderzeichen sind in Vanity-Nummern nicht vorgesehen.
Umlaute müssen daher – genau wie bei Email- und Internet-Adressen –
umschrieben werden (ae statt ä usw.). Der Vorteil einer Vanity-Rufnummer ist, dass man sie sich leicht merken
kann – nicht etwa, dass man sie auf der Telefontastatur besonders leicht
tippen kann. Das Auffinden der Buchstaben ist sogar ein wenig mühsam.
Aber es ist allemal leichter und auch schneller als die Suche nach der
Nummer in einem Telefonbuch oder einer Zeitung, und vor allem billiger
als ein teurer Anruf bei einem Auskunftsdienst. Nahezu alle Telefone
verfügen heute über Buchstabentasten, ebenso die Telefonzellen. Da es
inzwischen mehr Handys als Festnetzanschlüsse gibt, haben sich die Buchstabentasten
auch wegen des SMS-Booms schnell durchgesetzt – wobei bei der Buchstabenwahl
anders als bei SMS die jeweilige Taste nur einmal gedrückt wird, und
nicht z.B. die „5“ zweimal für ein „K“).
Zuteilung
von Nummern
Für die Zuteilung von Nummern ist seit Beginn der
Liberalisierung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt die Bonner
Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zuständig.
Die Beauftragung kann direkt beim Betreiber des Telekommunikationsnetzes
oder indirekt über einen Diensteanbieter erfolgen.
Einsatz
von Vanity-Nummern
Prinzipiell kann man aus jeder x-beliebigen Nummer eine Vanity-Nummer
machen, nicht nur aus Telefonnummern, sondern auch aus anderen Nummern,
indem man einfach für jede Zahl einen entsprechenden Buchstaben nimmt.
Auf diese Weise kann man sich z.B. Geheimzahlen besser merken. Bei der
Masse an Zahlen, die man sich heutzutage alle merken muss, stellt dies
eine angenehme Erleichterung dar, vor allem, weil man sich unter einem
Wort ein Bild vorstellen kann. Dem menschlichen Gehirn fällt es relativ
leicht, sich an ein klares und deutliches Bild zu erinnern. Das visuelle
Gedächtnis ist von Natur aus generell hoch entwickelt. Es fällt schwer,
sich an eine abstrakte Definition aus der Physik zu erinnern, die man
mal gelernt hat. Wenn man aber die Mona Lisa beschreiben soll, fällt
einem garantiert einiges dazu ein, auch wenn man noch nie den Louvre
besucht hat. Also könnte man sich z.B. das Passwort 66625472 wählen
und merkt es sich einfach als „Mona Lisa“. Oder 27335 als „Apfel“. Auf
den Tastaturen der Geldautomaten und bei einer Vielzahl weiterer Geräte
in den USA sind aus den oben genannten Gründen schon seit Jahren Buchstaben
abgebildet. Man muss allerdings die Möglichkeit haben, die Geheimzahl
selbst auswählen zu können. Ansonsten müsste man das unwahrscheinliche
Glück haben, z.B. von seiner Bank eine PIN zugeteilt zu bekommen, die
zufällig ein sinnvolles Wort ergibt, das man sich leicht merken kann.
Dies wird aber meistens nicht so sein, wie man über einen Vanity-Rechner
[11]
, der aus einer Nummer Worte generiert, leicht nachvollziehen
kann. Mit Hilfe eines solchen Rechners kann man leicht testen, ob die
eigene Telefonnummer nicht vielleicht ein mehr oder weniger lustiges
Wort ergibt. Man kann natürlich auch Buchstaben und Zahlen mischen,
wodurch noch mehr Kombinationsmöglichkeiten entstehen, z.B. „123-CASH-2“. Man kann seine Telefonnummer(n) und Handynummer(n) also als Vanity-Nummer
angeben, z.B. auf Briefköpfen, Visitenkarten, etc.. Das macht natürlich
nur Sinn, wenn die Nummer ein Wort oder eine einprägsame Buchstabenkombination
ergibt.
Vanity-Nummern können allen Vorwahlen beigeordnet werden. Sie eignen
sich aber besonders für die geschäftliche Verwendung bei Freephone/Freecall®-Nummern
(0800/0130) und Shared Cost-Rufnummern (0180x). Auch im Bereich der
Premium Rate-Dienste (0900x/0190x) und bei den persönlichen Rufnummern
(0700) ist mit einer hohen Nachfrage zu rechnen. Die Länge der Nummer
richtet sich nach der Rufnummernart.
[12]
Die festgelegte Länge einer Telefonnummer ist für
die Vanity-Nummern aber kein Hindernis. Zu kurze Firmen- oder Produktnamen
können durch hinzufügen von Zahlen, Buchstaben oder Worten auf die erforderliche
Länge gebracht werden, z.B. 0800-CALL-BUD, 0800-TAXI-RUF, 0800‑800-SIXT
oder 01805-RUF-BMW. Zu lange Namen sind auch kein Problem, da eine Vanity-Nummer
auch etwas länger sein kann als die eigentliche Telefonnummer. So entspricht
0700‑VOLKSWAGEN der Rufnummer 0700-8655792436. Die „3“
und die „6“ für das „E“ und das „N“ am Ende können – müssen aber nicht
– zusätzlich mitgewählt werden. Zusätzlich gewählte Ziffern/Buchstaben
werden von der Vermittlungsstelle einfach ignoriert. Anrufer sind bereits
nach Eintippen von „0700-VOLKSWAG“ verbunden. Nur zu lang sollte die
Vanity-Nummer nicht sein, da es sonst passieren kann, dass am anderen
Ende schon jemand abgehoben hat, während man selbst noch am (Überflüssige-Nummern-)Wählen
ist. Auch kann es sein, dass am anderen Ende ein Sprachcomputer abnimmt
– wie z.B. beim Telefonbanking üblich –, der die zusätzlich gewählten
Zahlen als Eingabe einer Kontonummer/PIN oder als Wahl eines Untermenü
auffasst.
Eine Service-Nummer kann entweder bundesweit gültig sein, dann wird sie
nur ein einziges Mal vergeben, oder aber regional begrenzt werden. Ein
Taxiunternehmen oder Pizzadienst in Hamburg hat kein Interesse an Anrufen
aus München. Daher ist es für viele Unternehmen sinnvoll, dass sie nur
für Anrufer aus ihrer Region erreichbar sind. Inzwischen hat sich eine
Reihe von Diensteanbietern auf Vanity-Nummern spezialisiert, die ihren
Kunden u.a. vielfältige Routing-Varianten anbieten, die durch intelligente
Netze ermöglicht werden. So merkt die erste Vermittlungsstelle, dass
es sich bei der gewählten Rufnummer um eine intelligente Rufnummer handelt,
und fragt in einer Datenbank ab, was mit dem Anruf geschehen soll,
[13]
so dass z.B. ein Anrufer aus Hamburg-Altona beim
nächstgelegenen Taxiunternehmen „landet“. Die bislang meistgewählte
Vanity-Nummer ist die 0800-800-TAXI, unter der bereits seit 1998 in
über 350 Vorwahlbereichen das nächste Taxiunternehmen erreicht werden
kann. Wegen der vielen beschriebenen Vorteile der kundenfreundlichen Vanity-Nummern
ist zu hoffen, dass sie sich auch in Deutschland noch durchsetzen werden. [1] Presseerklärung der Deutschen Telekom AG (DTAG) vom 28. Oktober 1998, http://www.dtag.de/untern/aktuell/1998/1028981.htm. [2] Presseerklärung der DTAG vom 28. Oktober 1998, http://www.dtag.de/untern/aktuell/1998/1028981.htm. [3] Presseerklärung der DTAG vom 28. Oktober 1998, http://www.dtag.de/untern/aktuell/1998/1028981.htm. [4] Telecom Handel 18/99 vom 3. September 1999, 19. [5] Berliner Morgenpost vom 30. Juni 1999, 27. [6] Telecom Handel 18/99 vom 3. September 1999, 19.
[7]
Toll free service facts der FCC, http://www.fcc.gov/ccb/888/888facts.html. [8] Telecom Handel 17/99 vom 20. August 1999. [9] Berliner Morgenpost vom 30. Juni 1999, 27.
[10]
http://www.itu.int/itudoc/itu-t/rec/e/e161.html; teleCommunication 20,21/98, 20. [11] Z.B. über den auf http://www.vanity-rechner.de, mit weiteren Verweisen. [13] Computerwoche 31/99, 25. |
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